Roland Chef auf Abwegen! 

Sonntag 1. Juli – Die Familie schläft noch, kurz den Fernseher angemacht, durchgezappt und bei hr3 hängen geblieben. Der Frankfurt Triathlon läuft, gerade Radfahren – 180 km, danach kommt noch ein Marathon. Faszination pur. Als die Siegerin, Nicole Leder, im Ziel ist hab ich auch schon mein Laufshirt an. So langsam reift in meinem Kopf eine Idee. 

Witten 11. August, Ruhrtal Triathlon – Puls 164 – verdammt das ist viel zu hoch, schließlich stehe ich ja noch am Start, noch 10 sek..  

Leider musste der Triathlon ausfallen. Die Ruhr führt Hochwasser. Schwimmen war nicht möglich. Also änderte der Veranstalter von Triathlon auf Duathlon. Das hieß in diesem Fall 5km Laufen, 20km Radfahren (Windschattenverbot) und nochmals 2,5km Laufen. 

Und los geht es. Ich gerate in Sog der schnellen Läufer, was mache ich auch in der zweiten Startreihe? Merke ganz schnell, dass ich das Tempo nie und nimmer mitgehen kann und lasse mich überholen finde mein eigenes Tempo. Sorgen macht nur der Puls – ständig im roten Bereich – so schaffe ich die Distanz nie, denke ich noch und nehme weiter raus. 

Zum ersten Mal an meinem Fanclub vorbei, die ganze Familie ist da. Töchterchen Anna-Maria, meine Frau, die Schwiegereltern, meine Eltern und meine Schwester nebst Schwager. Sie skandierten: „Chrosci, Chrosci, Chrosci…“ 

Blick auf den Pulser. Immer noch im roten Bereich. Verdammt wieso geht der Puls nicht runter.  

In der zweiten Runde hat sich das Feld gefunden, vereinzelt werde ich zwar noch überholt doch ich überhole auch, geiles Gefühl und einige sind tatsächlich noch hinter mir.  

Wieder an meinem Fanclub vorbei, aufmunternde Zurufe, cooles Bild ich überhole gerade jemanden, mein Schwager macht Fotos. 

Wechsel: ab auf das Rad. Laufschuhe ordentlich aus – ich komm ja noch mal wieder – Klickpedale an, Helm aufgesetzt und Energieriegel eingepackt – Luftpumpe nicht vergessen und zum Radstart geeiert. 

Los geht es, erst mal schnell auf 30km/h beschleunigt, Energiezufuhr Essen und Trinken klappt. Was schleift denn hier so? Bremsen? Ne, die Startnummer, reibt sich an der Radhose. Ab nach hinten damit. Uuuups, warum reißt die denn jetzt und hängt nur noch an einer Sicherheitsnadel? Egal da muss die Startnummer jetzt durch, hoffentlich hält das andere Loch.  

Ein paar Supersportler zischen mit ca. 40 km/h an mir vorbei, ich realisiere dass ich überrundet bin. Egal weiter – an der zweiten Wende steht wieder mein Fanclub. Chrosci, Chrosci, Chrosci und ganz dünn Papa, Papa, Papa… höre ich meine Tochter heraus. Das gibt neue Energie. 

Ich kann meinen 30er Schnitt halten, überhole langsam aber kontinuierlich andere Duathlethen.  

Die Zuschauer und Ordner sind einsame Klasse und Klatschen für jeden Athleten der vorbeikommt – Danke dafür!

Noch etwas gegessen und getrunken – ich verspüre einen wahnsinnigen Energiebedarf. Die Startnummer scheint zu halten. Mein Tempo auch – der Puls ist zwar immer noch im Roten Bereich und will da nicht runter, aber ich fühle mich gut. Knapp unter 40min absolviere ich die Raddistanz.  

Die letzten 2,5 km Laufen stehen an, der Wechsel läuft ruhig, doch ich vergesse die Luftpumpe im Trikot, noch mal kurz zurück, abgelegt und weiter.  

Vor mir ist eine kleine Läufergruppe, eine Frau bekommt einen Krampf, ich will überholen, doch was sagt meine linke Wade? Ihr schien den Krampf der Vorläuferin Vorbild zu sein – und ich bekomm doch nicht etwa hier einen Wadenkrampf??? 

Kurz links neben die Strecke, Krampf weggedrückt… weiter. 100m später ein neuer Krampf bahnt sich an. Wieder raus, noch mal weggedrückt. Werde von einer Läuferin überholt, egal. Ein entgegenkommender Läufer spricht mir Mut zu. „Los, beiß auf die Zähne, Du schaffst das!“ Die Aufmunterung hilft. Ich laufe langsam weiter, jetzt bloß nicht zu viel wollen, hämmere ich mir in meinen Schädel. Stattdessen ist Ablenkung angesagt. Die Ruhr tost nebenan und will aus ihrem Bett. Hier hätten sich noch nicht mal David Hasselhoff und Pamela Anderson halten können. Ein Sprung hinein wäre purer Selbstmord. 

Ich finde meinen Rhythmus wieder, schließe zu der kleinen Läufergruppe auf und mache beim Laufen noch mal ein paar Positionen gut. 

Schließlich bin ich nach den längsten 2,5 km meines Lebens im Ziel. Mein Fanclub ist da und jeder Finisher erhält ein kühles alkoholfreies Weizenbier. Meine Uhr stoppe ich erst kurz nachdem ich im Ziel bin und meine Tochter auf dem Arm habe. Mein Schwager schießt noch ein paar Fotos.  

Siegerehrung: Wahrscheinlich hatten sich die Zuschauer vorab schon verausgabt. Niemand wollte so recht klatschen… die sollten mal beim Tischtennis vorbeischauen! Na also, geht doch! 

Meine Zeit weiß ich nur so ungefähr (ca. 1 Stunde und 24 Minuten), ist aber auch nicht so wichtig. Es hat vor allen Dingen Spaß gemacht und war ein echtes Erlebnis. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei – und dann gibt es hoffentlich einen echten Triathlon. 

Danke an meine Familie, ihr wart großartig. 

Warum dass alles auf einer Tischtennis Seite steht? Als ich bei der Anmeldung nach dem Verein gefragt wurde hab ich DJK Roland Rauxel eingegeben und so war ein Roländer mal anders unterwegs.

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