Das A-Team knotet die Taue again

Das sind die Momente, für die der Sportler lebt. Acht Monate lang stand man zwar auch schon jede Woche unter Druck, aber zwei Spieltage vor Schluss gegen den direkten Konkurrenten anzutreten, da juckt es in den Fingern und die Spannung knistert.

Dazu kamen die passenden Rahmenbedingungen: Barop mobilisierte zahlreiche Anhänger, darunter mit Familie Helbing, Raik Hennicke oder Jürgen Dittmar mehrere Ehemalige. Außerdem mit Carsten Hölper von Post, Dennis Markowsky und Damjan Josipovic von Rahm sowie David Goldberg von Durchholz auch interessierte Tischtenniskollegen von anderen Vereinen. Dass sich Chrosci aber die Überschrift „Heimspiel in Barop“ wünschte, lag daran, dass zwei Dutzend Roländer dem Aufruf der Ersten gefolgt waren und Mitglieder aus jeder Mannschaft die Weltraumer zum Klassenerhalt peitschen wollten. Besonders prominent dabei die früheren Aktiven Dirk Badt (jetzt Dresden) und Harry Pilz, die über dieses Endspiel aus dem Internet erfuhren.

Das Sportliche sollte sich so dramatisch gestalten, wie es die Ausgangsposition ankündigte. Pauly/Bojak gegen die gefährlichen Hoffmann/Schuster (bis hierhin 4:1) mit einem ihrer besten Doppel in dieser Saison -> 3:0. Weiß/Wasielak gegen die Spitzenpaarung Schrod/Dietrich mit ebenso gutem Beginn wie Krumme/Chroscinski gegen Kremser/Kirschnick. Doch die Anfangseuphorie hielt jeweils nur einen Satz, danach übernahmen die Gastgeber das Kommando und ließen den Roländern keine Chance mehr. Doch mit 1:2-Rückstanden nach den Doppeln kennt man sich ja aus.

Chissi ging gegen Schrod auf Berg- und Talfahrt. Aber am Ende setzte sich seine offensive Durchschlagskraft wie schon so häufig in diesem Jahr durch. Am Nebentisch flogen Pauls Bälle in alle Richtungen. Mangels Kleber zu viel Waschbenzin im Tank, nach reihenweise Fehlern komplett verunsichert und nur im dritten Satz dank Kampfkraft dran. Dafür Torbinho voll auf der Höhe. Gegen das unbequeme, zerstörerische Spiel von Dietrich blieb er konzentriert und rang ihn 3:1 nieder. Ungewohnt ruhig hielt sich Stevie gegen Hoffmann. Als er im ersten Durchgang seine Chancen ausließ, fiel er wieder in Passivität und brach ein. Der reaktivierte Kremser (zu Jugendzeiten im Westen ganz vorne) hatte die letzten Änderungen bezüglich der Aufschlagregeln offensichtlich nicht mitbekommen. Schiedsrichter Schuster ging auf den Protest Chroscis nicht ein und als der den ersten Satz in der Verlängerung verlor, glaubte man nicht unbedingt noch an die Wende. Der 1. Vorsitzende anschließend jedoch mit Tunnelblick und enorm kampfstark, um hauchdünn im fünften zu 9 die Oberhand zu behalten. Ein immens wichtiger Punkt, da Bulli und Paul schon parallel den Kürzeren gezogen hatten und bei 3:7 statt 4:6 wohl der Zug schon abgefahren wäre. Der Helm hatte sich nach 0:2 zwar zurück gefightet, im Entscheidungssatz ging aber nicht mehr viel zusammen. Paul weiterhin mit der schwächsten Vorstellung im Roland-Trikot, dass er aber tatsächlich auch Materialprobleme hatte, zeigte sich, als er bis zum 0:7 im ersten Durchgang siebenmal den ersten Ball nicht auf den Tisch brachte! Auch im zweiten Einzel überragend und von allen Seiten Komplimente einheimsend, setzte sich Vatti problemlos gegen Schuster durch. Es folgte die endgültige Wende: Genau zur richtigen Zeit bot der Kotzkrumme seine beste Leistung überhaupt und wies den bilanzstärksten Spieler der Mitte (13:2) zwei Sätze lang in die Schranken. Im Anschluss etwas ins Nachdenken geratend und sich mit einem Hoffmann, der nun selbst mehr die Initiative suchte, konfrontiert sehend, musste der fünfte über Sieg oder Niederlage entscheiden. Torben, jetzt wieder Herr am Tisch, ließ die Rauxeler Bank zum Jubel aufspringen. Selten ein „allez“ von Brad, aber diesmal mit stärkerem Siegeswillen. Die erste Führung zum 7:6. Nicht mit seinem besten Tag blieb Bulli gegen Kremser nur einen Durchgang lang auf Augenhöhe. Der dritte 2:0-Mann am Freitagabend sollte Christian C. werden. In sehenswerten Ballwechseln, die einem zum Teil vorkamen wie Minuten, erspielte sich Chrosci gegen Kirschnick dreimal zwei Punkte mehr, um ein weiteres Mal für lang anhaltenden Applaus der Roländer zu sorgen. Das Abschlussdoppel machte sich folglich mit einem Vorsprung auf den Weg. Paul – mittlerweile mit Torbens Kleber nachgepinselt – hatte sich von seinen Einzelauftritten zum Glück erholt, spielte jetzt wieder stark auf an der Seite von Chissi. Dennoch lief es erneut auf den Entscheidungssatz hinaus. Nun aber wie entfesselt, setzten sich die beiden Rauxeler schnell ab, fast alles gelang, jeder Punktgewinn auf der Strecke zum Klassenerhalt wurde gefeiert. Bei 10:5 die Auszeit von Torben: Noch einmal konzentrieren, fertig machen zum Jubeln. Der zweite Matchball wurde genutzt, alle Roländer lagen sich in den Armen.

Barop ließ niedergeschlagen die Köpfe hängen, wird wohl auf die Relegation verzichten und man kann nur hoffen, dass nicht der ganze Verein von der Bildfläche verschwindet. Bei den Roländern kannte die Freude natürlich keine Grenzen, in der Kabine wurden in Gruppenumarmung Jubelsprünge zelebriert, ehe man mit dem Hausi die Halle verließ. Mit „We are the champions“ ging es Richtung Bahnhofstraße, wo mit den Derbyteilnehmern angestoßen wurde, bevor man die Nacht im Stübchen beschloss und H.-G. mit seinen Schock-Varianten die eine oder andere Runde springen ließ ;-).

Am Samstag ist der ganze Verein zum letzten Spieltag gegen Eintracht Dortmund herzlich eingeladen.

Nie mehr, zweite Liga, nie mehr, nie mehr, nie mehr…

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